Aufregung in Rosa

Deutschland diskutiert die “Dealer-Zonen”

Mehrere Spiel- und Sportplätze, ein kleiner See und sogar ein Kinderbauernhof: Berlinern bietet der Görlitzer Park, der Ende der Achtziger nach dem Abriss der Bahnanlagen vor Ort angelegt wurde, verschiedene Möglichkeiten zur Erholung im Grünen. Theoretisch zumindest – denn gleichzeitig ist der im Volksmund meist “Görli” genannte Park der wahrscheinlich bekannteste Drogen-Umschlagplatz der gesamten Bundesrepublik. Kürzlich wurden deshalb umstrittene Gegenmaßnahmen ergriffen. Eine Chronik der jüngsten Ereignisse!

Plötzlich waren sie da: Rosafarbene Markierungen, die bestimmte Flächen an den Gehwegen des “Görli” optisch eingegrenzt haben. Entstanden sind sie im Mai 2019 auf Veranlassung von Cengiz Demirci, der als Manager der Kreuberger Parkanlage fungiert. Mit den auffälligen Linien sollten den Dealern provisorische Geschäftsflächen geboten werden, die sie von Besuchern ohne Interesse an ihrer Ware möglichst fernhalten. In der Vergangenheit war es regelmäßig zu Vorfällen und Beschwerden gekommen; auch und insbesondere wegen teils aufdringlich-aggressiven Verkaufsansprachen. 

Die Maßnahme erregte großes öffentliches Interesse und wurde von zahlreichen Publikationen und Politikern kritisiert. So sprach Marlene Mortler, die Drogenbeauftragte des Bundes, von einer “Kapitulation des Rechtsstaates” und einem “Freibrief zum Handel”, während CDU-Innenpolitiker Burkard Dregger sogar “eine Einladung zum Rechtsbruch und ein Verrat der Anwohner-Interessen” zu erkennen glaubte. 

Distanz und Debatte

Ein Kommentar der Lokalzeitung BZ identifizierte derweil einen “verzweifelte[n] Park-Manager, der sich zurecht allein gelassen fühlt”. Seit der Einführung des aktuell von Cengiz Demirci bekleideten Postens im Jahre 2016 hatte sich die Situation im Park zwar gebessert, aber nie vollends beruhigt. Dem zuständigen Bezirksamt zufolge stünde “es auch dem Parkmanager frei, Verbesserungsvorschläge für sein Arbeitsgebiet zu machen”, gleichzeitig wurde jedoch betont, dass die rosafarbenen Markierungen keinesfalls “vom Bezirksamt beschlossen oder abgesegnet” worden seien. Ferner distanzierte sich das Amt durch einen Verweis darauf, dass es Demircis Eigeninitiative “nicht für einen adäquaten Umgang mit der Drogenproblematik im Görlitzer Park” halte.

Im Zuge der Einrichtung von der “Dealer-Zonen” entfachte auch die grundsätzliche Debatte zum Umgang mit Rauschmitteln erneut. Den Befürwortern der Verbotspolitik stehen Stimmen gegenüber, die an das positive Potential einer Legalisierung zumindest “weicher” Drogen wie Marihuana erinnern: Minderjährige könnten demnach durch Alterskontrollen vom Erwerb abgehalten werden, während ein verstaatlichter Verkauf zudem Steuereinnahmen in Milliardenhöhe mit sich ziehen würde. Der öffentliche Handel würde dadurch deutlich unattraktiver. Bisherige Versuche, einen Coffeeshop im Görlitzer Park zum legalen, kontrollierten Verkauf zu etablieren, scheiterten vorrangig am Widerspruch der CDU.

Im Regen verblasst

Die vieldiskutierten Markierungen haben sich indes nicht lange gehalten. Bereits nach einer Woche waren sie kaum mehr zu erkennen – nicht, dass die örtliche Dealerschaft ihnen vorher allzu verbindliche Beachtung geschenkt hätte. Allerdings war für die kurze Verweildauer kein Eingriff irgendeines Amtes verantwortlich: Dank der Verwendung wasserlöslicher Farbe reichten einige Regentropfen aus, um die Linien wieder verblassen zu lassen. Es bleibt zu hoffen, dass die Bemühung um eine langfristige Lösung nicht ebenso schnell aus den Augen verloren wird!

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