August 18, 2019

Grüne wollen Cannabis in Berlin anbauen

grüne

Bald Hanffelder in Tempelhof? – Grüne wollen Cannabisanbau in Berlin fördern

Die Berliner Grünen haben schon öfter mit ihren Ideen zum Thema Drogenpolitik für Diskussionen gesorgt. Jetzt wagt die Grüne Fraktion einen weiteren Vorstoß und regt den Anbau von Cannabis für medizinische Zwecke auf Flächen in Berlin an.
Bei der Vorstellung eines neuen drogenpolitischen Papiers sprachen sich die Grünen kürzlich erneut für eine Entkriminalisierung von Drogenkonsumenten aus und gaben bekannt, ihren Modellversuch zur regulierten Abgabe von Cannabis an Freizeitkonsumenten vorantreiben zu wollen. Darüber hinaus sorgten die Grünen mit dem Vorschlag eines neuen Konzeptes zum Anbau von medizinischem Cannabis für Aufsehen. Sie regten die Gründung eines landeseigenen Unternehmens zur Förderung von Cannabisanbau für medizinische Zwecke an. Dabei ziehen die Grünen auch die Nutzung von Flächen in Berlin oder Brandenburg in Betracht. 

Wie begründen die Berliner Grünen ihren Vorschlag?

Seit März 2017 haben Ärzte die Möglichkeit einem Patienten unter bestimmten Umständen Cannabis bzw. Cannabis-Präparate zu verschreiben. 95.000 Rezepte sollen es nach Angaben der Grünen im Jahr 2018 gewesen sein. Medizinisches Cannabis muss dafür bisher nach Deutschland importiert werden. Es kommt zumeist aus Kanada und den Niederlanden. Catherina Pieroth, Fraktionssprecherin für Drogen- und Gesundheitspolitik bei den Grünen, bemängelt, dass es dabei immer wieder zu Lieferengpässen kommt. Die Grünen schlagen den geförderten Anbau im eigenen Land als Lösung für dieses Problem vor. Darin sehen sie auch eine Chance für gesundheitspolitisches Umdenken in Sachen Cannabis, das immer noch nur zögerlich verschrieben wird.

Wie soll der Cannabisanbau in Berlin aussehen, wenn es nach den Grünen geht?

Die Grüne Fraktion schlägt ein Landesunternehmen vor, das Firmen Flächen für den Anbau zur Verfügung stellt, Anschubfinanzierung leistet und für die Vernetzung von Industrie, Wissenschaft und Forschung sorgt.
Aus Sicherheitsgründen und um eine hohe Reinheit des medizinischen Cannabis zu gewährleisten, ist der Anbau nur in Hallen denkbar. Möglichkeiten dazu würden sich den Grünen zufolge im Berliner Stadtteil Buch, auf dem Tempelhofer Feld oder auf Flächen in Brandenburg bieten. Genauere Angaben zum Aufbau des Landesunternehmens, einem möglichen Starttermin oder Partnern für die Initiative konnten die Grünen aber bisher nicht machen.

Anbau von Cannabis in Berlin: Ist das realistisch?

Ob die Pläne der Grünen realisiert werden könnten, hängt unter anderem von der Lizenzvergabe für den Cannabisanbau auf Bundesebene ab. Sie wird durch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte geregelt, das zu diesem Zweck die sogenannte Cannabisagentur unterhält. Laut Cannabisagentur sollen ab 2020 Cannabisprodukte aus Deutschland verfügbar sein. Unternehmen konnten sich bis Ende 2018 für den Cannabisanbau bewerben. Welche Unternehmen einen Zuschlag erhalten und ob diese sich für einen Anbau im Raum Berlin überhaupt interessieren, ist aber noch offen. 


Erste Reaktionen auf den Vorschlag der Grünen fallen unterschiedlich aus. Die FDP Fraktion lehnt die Gründung eines entsprechenden Landesunternehmens ab. Auch die SPD gab sich eher skeptisch. Die Berliner Linken dagegen halten die Förderung des Cannabisanbaus für einen sinnvollen Schritt und reagierten entsprechend positiv.
Auch der Deutsche Hanfverband lobte den Vorstoß als zukunftsweisend und betonte auch die wirtschaftlichen Chancen, die der Cannabisanbau Berlin bieten könnte, obwohl es grundsätzlich erst mal noch ‚Zukunftsmusik‘ sei.
Insgesamt bleibt die Realisierbarkeit der Pläne der Grünen also vorerst offen, sorgt aber zumindest für weitere Diskussionen zum Thema.

in Inland
Related Posts
Comments

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.