Endocannabinoid-System

Das Endocannabinoid-System – das Netzwerk für Regulationsprozesse und Gesundheit

Die Wirkung von Cannabis auf den menschlichen Körper ist schon sehr lange bekannt. Das betrifft nicht nur seine berauschende Wirkung, sondern auch die Bedeutung als Heilmittel. Dennoch hat es bis ins 20. Jahrhundert gedauert, bis die physiologischen und funktionellen Zusammenhänge aufgedeckt werden konnten. Das ist vor allem dem israelischen Chemiker und Pharmakologen Raphael Mechoulam zu verdanken. Er entdeckte in den 1960er Jahren die Cannabinoide und ihr enormes Wirkpotenzial.

Die Cannabinoide und das Endocannabinoid-System

Cannabinoide sind die hochaktiven Substanzen der Cannabispflanze. Aus diesem Grund ist der Wortstamm „Canna“ auch in der Bezeichnung enthalten. Sie wirken wie Hormone als Botenstoffe, die über spezifische Rezeptoren in der Zellmembran bestimmte Reaktionen im Körper hervorrufen. Mechoulam entdeckte als erstes THC (Tetrahydrocannabinol) und konnte es auch als den Wirkstoff identifizieren, der für die Rauschwirkung von Cannabis verantwortlich ist. Als Nächstes folgte CBD (Cannabidiol), das in der Bekanntheit lange Zeit hinter THC zurückblieb. Das hängt wahrscheinlich damit zusammen, dass es keine berauschende Wirkung hat und dass sein gesundheitliches Potenzial lange nicht erkannt wurde. Die Entdeckung der pflanzlichen Cannabinoide war der erste wichtige Schritt, um die Wirkzusammenhänge von Cannabis aus der rein empirischen Ecke zu holen. Immer mehr Forscher befassten sich in der Folge mit dieser Thematik. Das führte schließlich in den 1970er Jahren zur Entdeckung von Substanzen, die in ihrer Wirkung den aus der Hanfpflanze stammenden Wirkstoffen sehr ähnelten. Aufgrund ihrer Herkunft aus dem eigenen Körper wurden sie Endocannabinoide genannt. Anandamid und das 2 AG abgekürzte 2-Arachidonoylglycerin sind bisher die bekanntesten Repräsentanten dieser Substanzklasse. Weitere Endocannabinoide sind schon identifiziert, sind in ihrer Funktion aber noch nicht genügend erforscht. Die logische Schlussfolgerung der Wissenschaftler aus der Entdeckung der körpereigenen Wirkstoffe war, dass es ein System geben muss, dass die Botschaft der hochwirksamen Substanzen an den Körper vermittelt. Folgerichtig wurde im weiteren Verlauf der Forschungen das Endocannabinoid – System entdeckt.

Das Endocannabinoid-System

Morphologisch betrachtet besteht das Endocannabinoid-System aus einer Vielzahl von Rezeptoren. Sie sind zwar im ganzen Körper verbreitet, bilden aber in manchen Funktionsbereichen Orte mit einer höheren Rezeptordichte. Zu diesen Regionen zählen das Gehirn, andere Teile des Nervensystems, der Magen-Darm-Bereich, das Immunsystem und die Funktionsbereiche, die für den Knochenauf- und abbau zuständig sind.
Aus funktioneller Sicht kann das Endocannabinoid-System als Rezeptorennetzwerk verstanden werden, das an der Regulation zahlreicher Prozesse und Funktionen im Organismus beteiligt ist.
Die einzelnen Rezeptoren befinden sich in den Zellmembranen des zugehörigen Gewebes. Sie bestehen aus Proteinkomplexen, die Botschaften an die Zellen weiterleiten und dadurch bestimmte Funktionen initiieren. Die Proteine besitzen Andockstellen, die so konfiguriert sind, dass nur bestimmte Botenstoffe in sie passen (Schlüssel – Schloss – Prinzip). Im Endocannabinoid-System sind das primär die Endocannabinoide, aber auch die pflanzlichen und die später entwickelten synthetischen Cannabinoide. Das Andocken an dem Rezeptor kann grundsätzliche zwei entgegengesetzte Reaktionen hervorrufen. Die fördernde (excitatorisch) Wirkung führt dazu, dass Kanäle in der Zellmembran geöffnet werden. Die Wirkstoffe können so in die Zelle gelangen und dort ihre Wirkung verbreiten. THC vermittelt auf diese Weise seine Rauschwirkung im Gehirn. Cannabinoide können aber auch hemmend an den Rezeptoren agieren. In dem Fall blockieren sie die Andockstellen und erschweren die Öffnung der Membrankanäle. Diese Wirkung löst CBD an den Endocannabinoidrezeptoren im Gehirn aus. Damit kann es die Wirkung von THC als Droge abmildern und modifizieren. 
Ein weiterer Fokus der Forschung richtet sich inzwischen auf das Verständnis der Rezeptortypen. Damit sollen die Kenntnisse über die Wirkzusammenhänge und die Funktionen des Endocannabinoid – Systems verbessert werden. Eindeutig identifiziert sind bisher die Endocannabinoid Rezeptoren 1 und 2 (CB1 und CB2). CB1- Rezeptoren sind vor allem im Gehirn und in anderen Teilen des Nervensystems zu finden. Sie haben eine hohe Affinität zu bestimmten Endocannabinoiden und zu THC. Ihre Stimulation ist für die Rauschwirkung verantwortlich. CBD wirkt an diesem Rezeptor antagonistisch und schwächt die Wirkung der anderen Cannabinoide ab. Der CB2 – Rezeptor ist vor allem im peripheren Nervensystem und in den Zellmembranen von Immunzellen und Zellen des Knochen bildenden Systems zu finden. CBD und THC aktivieren diesen Rezeptor und können so zur Stärkung des Immunsystems und zur Förderung von regenerativen Prozessen beitragen. 
Inzwischen sind weitere Rezeptortypen gefunden worden, an denen vor allem CBD agonistisch (fördernd) wirkt. Dazu gehört der sogenannte Vanilloid-Rezeptor, der bei der Schmerzregulation eine wichtige Rolle spielt. Ein weiterer Vertreter, der dieser Klasse zugeordnet werden kann ist der 5-HT1A-Rezeptor. Ihm werden angstlösende, neuroprotektive und depressionshemmende Wirkungen zugesprochen. Eine ganze Gruppe, die auch auf CBD ansprechen, sind die Rezeptoren, die mit sogenannten G-Proteinen agieren. Besonders im Fokus steht dabei der GPR55-Rezeptor, der für das Tumorwachstum bei Krebserkrankungen zuständig sein soll. CBD wirkt an diesem Rezeptor hemmend und könnte über diesen Weg eine wichtige Bedeutung bei der Krebsbekämpfung erlangen.

Das Endocannabinoid-Systems und seine Wirkungen und Funktionen

Die Funktionen und Wirkzusammenhänge, die durch das Endocannabinoid-System initiiert werden, sind längst noch nicht alle erforscht. Es scheint sich aber immer mehr herauszukristallisieren, dass das Wirkungsspektrum und das gesundheitliche Potenzial enorm sind. Das belegen unzählige Erfahrungsberichte von Menschen, die positive Wirkungen durch die Einnahme von Cannabisprodukten bei zahlreichen gesundheitlichen Problemen beschreiben. Das Endocannabinoid-System spielt bei der Vermittlung und Verbreitung dieser Wirkstoffe eine zentrale Rolle. Damit kann es zu folgenden physiologischen und psychischen Effekten beitragen:

  • Stimmungsschwankungen
  • Appetitstörungen
  • Schmerzlinderung, insbesondere bei chronischen Schmerzsyndromen
  • Stärkung der Immunabwehr 
  • Schutz von Nervenzellen 
  • Zellschutz
  • Förderung des Zell- und Organstoffwechsels
  • Förderung der Gedächtnisleistung
  • Harmonisierung des Muskeltonus 
  • Krampflösung 
  • Entzündungshemmung
  • Förderung der Verdauung
  • Stärkung des Immunsystems
  • Verbesserung der Hautfunktionen
  • Vermeidung von psychischen Dysfunktionen
  • Bewusstseinsveränderungen

Das Endocannabinoid-System dient als Vermittler, indem es die gesundheitsfördernden Wirkungen der Cannabinoide im Körper verbreitet.

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