September 18, 2020

Cannabis auf Rezept verschreiben lassen

Der globale Cannabismarkt wächst in einem beispiellosen Tempo, wobei täglich neue Entwicklungen in verschiedenen Marktsegmenten zu beobachten sind. Europa verfügt über eine der weltweit fortschrittlichsten und bedeutendsten Möglichkeiten für medizinisches Cannabis. Kanada legte einen wichtigen Meilenstein für die erfolgreiche Umsetzung der regulierten medizinischen Cannabisindustrie fest. Im vergangenen Jahr ist die europäische Cannabisindustrie stärker gewachsen, als in den letzten sechs Jahren. 

Rechtslage in Deutschland

Seit März 2017 ist die Verwendung von Cannabisblüten für medizinische Zwecke in Deutschland erlaubt. Deutschland ist der bedeutendste medizinische Cannabismarkt in Europa und erlaubt den Verkauf der gängigsten Cannabismedikamente wie Sativex, Dronabinol und Nabilone. Sowohl der Konsum als auch der Anbau sind mit besonderer Genehmigung des „Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte“ gestattet. 

Europäische Rechtslage

• Italien: Seit 2013 steht den Patienten Medizinisches Cannabis zur Verfügung. 

• Frankreich: Sativex ist zwar genehmigt, praktisch fehlt der tatsächliche medizinische Zugang zu diesen Medikamenten jedoch aus verschiedenen Gründen auf dem französischen Markt. 

• Spanien: Seit Juni 2003 als verschreibungspflichtiges Medikament zugelassen. 

• Niederlande: Seit Juni 2003 zugelassen als verschreibungspflichtiges Medikament 

• Großbritannien: Medizinische Cannabisprodukte wurden am 1. November 2018 in Großbritannien zugelassen. Anerkannte Fachärzte können Patienten in dringenden Fällen medizinischen Cannabis verschreiben. 

• Dänemark: Der Konsum ist legal, wenn von einem Arzt verschrieben. Der Anbau ist unter staatlicher Lizenz erlaubt. 

• Portugal: Medizinisches Cannabis ist seit Juli 2018 legal. 

• Polen: Seit 2017 als verschreibungspflichtiges Medikament zugelassen. 

• Griechenland: Seit Juni 2017 als verschreibungspflichtiges Medikament zugelassen. Bisher haben allerdings keine Patienten verschriebene Medikamente erhalten. 

• Mazedonien: Legal für Produktion, Verarbeitung, Vertrieb und Verbrauch. Cannabiskultivierende müssen vor der Aussaat eine Genehmigung des Gesundheitsministeriums einholen, mit vorheriger schriftlicher Genehmigung der Regierung. 

• Irland: Gesetzesentwurf wird im Jahr 2019 geprüft. 

• Tschechische Republik: Seit dem 1. April 2013 als verschreibungspflichtiges Medikament zugelassen. 

• Israel: Seit 1994 als verschreibungspflichtiges Medikament zugelassen. 

• Belgien: Der Konsum von medizinischem Cannabis ist auf Rezept eines Facharztes erlaubt. 

• Österreich: In Österreich ist medizinisches Cannabis nicht erhältlich. Die meisten Cannabispatienten greifen auf Eigenanbau zurück. 

• Malta: Der Konsum ist legal, wenn von einem Arzt vorgeschrieben. Der Anbau ist mit staatlicher Lizenz legal. 

• Schweiz: Legal in bestimmten Krankheitsfällen beziehungsweise Patientengruppen. Cannabis mit weniger als 1% THC ist allerdings allgemein legal. 

• Luxemburg: Im Rahmen eines Pilotprojekts ist medizinisches Cannabis legal und kann ärztlich verschrieben werden. 

• Norwegen: Medizinisches Cannabis ist legal, wenn es von einem Spezialisten verschrieben wird. Um ein Rezept zu erhalten, müssen norwegische Ärzte allerdings nachweisen, dass alle anderen Behandlungen fehlgeschlagen sind. 

• Finnland: Legal unter strengen Bedingungen, der Anbau ist verboten. 

• Kroatien: Legalisiert für Erkrankungen wie MS, Krebs, Epilepsie und Aids. 

• Serbien: Cannabisöl ist unter erschöpfenden Umständen erhältlich, aber alle anderen medizinischen Behandlungen sind verboten. 

• Estland: Illegal 

• Türkei: Medizinischer Gebrauch von Cannabis ist legal. 

• Slowenien: Medizinisches Cannabis ist illegal, aber der Konsum bestimmter Cannabinoid-Drogen ist erlaubt. 

• Rumänien: Medizinisches Cannabis ist legal, allerdings nur pharmazeutische Produkte, die Cannabis-Derivate verwenden. 

• Lettland: Medizinisches Cannabis ist in Lettland illegal. 

• Litauen: Es ist auf Rezept für Patienten mit Multipler Sklerose, Krebs und Autoimmunerkrankungen erhältlich. 

• Slowakei: illegal 

• Libanon: Cannabis für medizinische Zwecke ist im Libanon illegal, obwohl Pläne für eine Legalisierung im Gange sind. 

• Georgien: Georgien hat derzeit keine medizinischen Cannabisgesetze oder -programme. Der jüngste Trend zur Cannabisakzeptanz deutet jedoch darauf hin, dass ein formeller, medizinischer Cannabismarkt in Kürze eingeführt wird. 

Globale Rechtslage

In den USA ist es für über 21-Jährige Erwachsene in 9 Staaten erlaubt, Marihuana ohne Arztbrief in neun Staaten zu rauchen. Medizinisches Marihuana ist in 30 Staaten legal. Weiterhin ist der medizinische Gebrauch von Cannabis in Kanada, Uruguay, Lesotho, Puerto Rico, Simbabwe, Neuseeland und Peru erlaubt und kann ärztlich verschrieben werden. 

Vielversprechende Prognosen auf politischer Ebene

Bis auf die beiden konservativen Parteien CDU und AfD ist jede Partei im Bundestag inzwischen für eine Legalisierung. Die Union zeigt sich nun aber bereit, exemplarisch den Vertrieb von Freizeit-Cannabis zu testen, um zu sehen, ob es für die Gesellschaft von Vorteil ist, andere Vertriebswege anstelle des Schwarzmarktes zu entwickeln. 
Die Grünen werden aufgrund ihrer hervorragenden Umfragen (15-20%) vermutlich eine wichtige Rolle in der nächsten Regierung spielen, so dass das Gesetz über die Kontrolle von Cannabis die Grundlage für jede Gesetzgebung zur Legalisierung sein könnte. 

Bewillingungsrate bei Krankenkassen über 50% – Unsicherheit bei Ärzten

Es ist jedoch für Patienten nicht immer einfach, ein medizinisches Cannabis-Rezept zu bekommen. Die Mediziner sind aus verschiedenen Gründen oft zurückhaltend bei der Ausstellung von medizinischen Cannabis-Rezepten. Dies hat mit der Überprüfung durch Behörden und Krankenkassen zu tun, mit Rufschädigungen durch die Assoziation mit vermeintlichen Drogenkonsumenten, mit Unklarheiten über die medizinische Wirkkraft und mit der gesetzlichen Haftung für den Fall, dass der Patient eine Nebenwirkung auf Cannabis aufzeigt. Die Bewilligungsquoten bei den drei führenden Krankenkassen (AOK, TK und Barmer) liegen bei medizinischen Cannabispatientenanwendungen zwischen 62% und 64%. 

Bei diesen Krankheiten wird die Behandlung mit medizinischem Cannabis bewilligt

Insgesamt gibt es 5 Patientengruppen, bei denen medizinisches Cannabis verschrieben wird. Erfolgreich behandelt werden Patienten mit: 

1.chronischen Schmerzen (Migräne, Phantomschmerzen) 
2.neurologischen Krankheiten (MS, Tourette-Syndrom, Epilepsie) 
3.psychiatrischen Erkrankungen (PTBS, ADHS,Depressionen) 
4.chronisch entzündlichen Krankheiten (Rheuma, Morbus Crohn) 
5.Übelkeit, die durch Krankheiten wie Krebs oder AIDS ausgelöst wird. 

Darüber hinaus sind auch Fälle bekannt, bei denen die erfolgreiche Behandlung mit medizinischem Cannabis durchgeführt wurde. Dazu gehören beispielsweise chronisches Schwitzen oder schweren Formen der Akne, die andernfalls nur operativ behandeln werden könnten. Allgemein ist in Deutschland nicht das Krankheitsbild, sondern die Schwere der Erkrankung ausschlaggebend für eine medizinische Empfehlung von Cannabis.

Bei diesen Beschwerden erhält man Cannabis auf Rezept: 

• Schmerzen: 57% 
• ADHS 15% 
• Spastik 10% 
• Depression:7% 
• Inappetenz/Kachexie:5% 
• Tourette-Syndrom:4% 
• Darmerkrankungen: 3% 
• Epilepsie:2% 
• Sonstige Psychiatrie:2% 

Kostenübernahme durch Krankenkassen nur auf Antrag und bei Empfehlung durch den behandelten Arzt

Die Krankenkassen übernehmen bei schweren Fällen und auf Empfehlungen des behandelnden Arztes die vollen Kosten der Behandlung. Hierbei muss der Patient allerdings einen gesonderten Antrag stellen, selbst wenn der Arzt die Empfehlung ausgesprochen hat. Der behandelnde Arzt muss hierbei die Wirksamkeit der Cannabis Therapie detailliert begründen und deren Wirksamkeit versichern. Bisher tun dies verhältnismäßig allerdings relativ wenig Ärzte. Die Wartelisten für Termine der Ärzte, die Cannabis auf Rezept verschreiben, ist dementsprechend lang. Oft warten Patienten bis zu einem Jahr auf den ersehnten Termin. 

Wenn ein Patient die Kosten selbst übernimmt, muss er tief in die Tasche greifen. Für Patienten ohne Krankenversicherung kann das medizinische Cannabis zwischen 1.500 und 2.400 Euro kosten. 

Prognose

Im Jahre 2017 hatte das Gesetz nur Anträge von rund 1.000 Patienten akzeptiert. Allerdings stieg die Zahl der Anträge bei den Krankenkassen bis zum Monat März 2018 bereits auf 13.000, wovon rund 60% der Anträge genehmigt wurden. Bis 2024 wird die Zahl der medizinischen Cannabispatienten in Deutschland die 1-Million-Marke durchbrechen. Die zunehmende Verfügbarkeit der meisten Cannabismedikamente im Land bedeutet, dass eine größere Bandbreite an Erkrankungen behandelt werden kann. Es kann davon ausgegangen werden, dass die Nachfrage nach medizinischem Cannabis im Land weiterhin steigen wird, was dazu führt, dass auch die Ärzteschaft sich vermehrt für das Thema öffnen muss.

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